Steckbrief: Bilanzkreisverantwortliche (BKV).

Ein Bilanzkreis ist ein virtuelles Konto für Strom- oder Gasmengen. Der Bilanzkreisverantwortliche (BKV) fasst dazu alle bei ihm registrierten Einspeise- und Entnahmestellen zusammen und bilanziert und saldiert diese. Ein Bilanzkreis umfasst meist eine Vielzahl von unterschiedlichen Teilnehmern (Einspeise- und Entnahmestelle). Weiter bewirtschaftet der Bilanzkreisverantwortliche (BKV) den Bilanzkreis aktiv und stellt so ein kontinuierliches Gleichgewicht zwischen Einspeisungen und Entnahmen in seinem Bilanzkreis sicher. Der BKV erstellt eine Lastprognose für die Verbraucher in seinem Bilanzkreis und plant den Ausgleich des Bilanzkreises durch die in seinem Bilanzkreis angeschlossenen Kraftwerke bzw. mithilfe von Handelsgeschäften (z. B. an der Strombörse). Einspeisung und Entnahme im Bilanzkreis müssen zu jedem Zeitpunkt ausgeglichen sein. Weicht der tatsächliche Fahrplan von dem am Vortag prognostizierten ab, gleicht zunächst der ÜNB die Abweichung mithilfe von Regelleistung aus. Die Kosten für diese sogenannte Ausgleichsenergie werden anschließend dem BKV in Rechnung gestellt. Da  bei der Verschiebung flexibler Lasten eine Veränderung der prognostizierten Entnahme eintreten kann, kommen dem BKV besondere Aufgaben zu.

Aufgaben eines Bilanzkreisverantwortlichen beim DSM.

1. Öffnung des Bilanzkreises für Regelleistungserbringung.

  • Die Erbringung von Regelleistung durch flexible Lasten ist ein Eingriff in den Fahrplan des Bilanzkreises. Möchte ein Unternehmen seine flexiblen Stromlasten am Regelleistungsmarkt vermarkten, muss es daher die Zustimmung seines BKV einholen.
  • Der BKV ist über den Bilanzkreisvertrag mit dem ÜNB nach §26 Stromnetzzugangsverordnung zur Öffnung des Bilanzkreises für die Erbringung von MRL verpflichtet. Die Öffnung des Bilanzkreises zur Erbringung von SRL ist in der Verordnung bisher nicht explizit geregelt.
  • Die Bestätigung erfolgt über zwei Standarddokumente, die BKV-Bestätigung für Sekundärregelleistung (SRL) und BKV-Bestätigung für Minutenreserveleistung (MRL). Die Erteilung der Bestätigung durch den BKV benötigt in der Praxis einigen Zeitaufwand. Insbesondere die Verhandlung über eine Kompensation für den BKV zwischen den beiden Parteien (BKV und dem Lasteneigner bzw. dem DSM-Vermarkter) können eine Verzögerung verursachen, da hier bisher keine Standards existieren.
  • Für den BKV verursacht die Öffnung seines Bilanzkreises für Regelleistung Mehraufwände in Form von Arbeitsaufwand und zusätzlichem Risiko. Die abgerufene Regelleistung wird dem BKV zwar aus seinem Bilanzkreis rechnerisch ausgebucht, jedoch kann sich durch ein Nachholen der Produktion oder einem späteren Einsenken des Strombezugs eines Unternehmens ein Ungleichgewicht im Bilanzkreis ergeben.
  • Der Wechsel eines Unternehmens zu einem anderen BKV bei Verweigerung der Bestätigung ist möglich, bedingt aber zeitliche Verzögerungen bis zur Vermarktung der flexiblen Stromlasten, da die Unternehmen an die Kündigungsfrist des Stromliefervertrages gebunden sind.
  • Bislang gibt es noch keine Standards für die Abstimmung zwischen BKV und Vermarkter über Eingriffe in den Bilanzkreis zur Erbringung von Regelleistung.
  • Die Zusammenarbeit wird daher in individuellen Verträgen geregelt.

2. Ablauf nach einem Abruf.

  • Nach einem Regelleistungsabruf von SRL übermittelt der ÜNB nachträglich für den Liefertag eine Aufstellung der messtechnisch erfassten, tatsächlich gelieferten Regelleistungsmengen an den DSM-Vermarkter bzw. Regelleistungsanbieter zur Prüfung. Auf Basis der Messwerte wird nach der Prüfung die Abrechnung erstellt. Eine Über- oder Unterlieferung wird vom ÜNB nicht erstattet bzw. vergütet. Für diese Differenz muss der DSM-Vermarkter bzw. Regelleistungsanbieter gegenüber dem betroffenen BKV aufkommen.
  • Nach einem Abruf von MRL erfolgt die Abrechnung über einen Austauschfahrplan, da es sich hier bei um ein Fahrplangeschäft handelt (es werden stets 15-Minuten Blöcke angefordert). Dafür übermittelt der ÜNB die Austauschfahrpläne an den DSM-Vermarkter bzw. Regelleistungsanbieter, damit die Bilanzkreise ausgeglichen werden können. Abweichungen zwischen Ist- und Sollwerten werden im Rahmen der Bilanzkreisabrechnung erfasst und über Ausgleichsenergie abgerechnet. Als Abrechnungsgrundlage werden die Einsatzfahrpläne der ÜNB herangezogen.
  • Falls die abgerufene Regelleistung (SRL und MRL) über einen Pool angeboten wurde, erfolgt eine Aufteilung der gemessenen Leistung bzw. des Austauschfahrplans entsprechend der erbrachten Anteile auf die beteiligten Bilanzkreise.
  • Muss die als Regelleistung abgerufene Last anschließend nachgeholt werden, so muss der BKV dieses Nachholen prognostizieren und die abweichenden Strommengen kurzfristig ausgleichen. So minimiert er Ausgleichsenergiekosten.
  • Ein weiteres Problem entsteht, wenn  ein Unternehmen aufgrund von Regelleistungserbringung vom Fahrplan abweicht. Bei einer Regelung der flexiblen Lasten zur Bereitstellung von Regelleistung bezieht das Unternehmen weniger bzw. mehr Energie als der BKV per Fahrplan angemeldet hat.
  • Dadurch erwirtschaftet der BKV weniger Erlöse als geplant, da er die vorher beschaffte Energie entweder nicht wie geplant absetzt oder kurzfristig zusätzliche Energie nachkaufen muss.
  • Sonderfall: Unternehmen, die einen eigenen Bilanzkreis unterhalten, tragen selbst das Prognoserisiko und können sich bei Bedarf den Strom für den Ausgleich beschaffen. Das Gleiche gilt, wenn der DSM-Vermarkter gleichzeitig auch Stromlieferant des Unternehmens ist, das Regelleistung erbringt.

3. Vermeidung von Gegenregeln.

  • Ist die technische Einheit (TE) durch den BKV mit Live-Anlagedaten bewirtschaftet, ist es notwendig, dass dem BKV die Information über einen Regelleistungsabruf sofort übermittelt wird, damit er auf die Fahrplanabweichung nicht mit einem Gegenregeln reagiert und dadurch den Regelleistungsabruf unwirksam macht.