Steckbrief: Übertragungsnetzbetreiber.

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind für den sicheren Betrieb des Übertragungsnetzes verantwortlich. Sie müssen zum Beispiel Netzschwankungen, die sich durch ein Missverhältnis zwischen erzeugtem und verbrauchtem Strom ergeben, möglichst gering halten. Dafür setzen sie Regelleistung ein, die im bisherigen Stromsystem meist von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt wurde. Regelleistung kann jedoch ebenfalls von Unternehmen über flexible Lasten bereitgestellt werden. Sie passen dafür die Leistungsaufnahme ihrer Anlagen den Erfordernissen des Stromsystems an. 

Für den Einsatz von Regelleistung führen die ÜNB die folgenden Schritte durch:

1. Ermittlung des Bedarfs an Regelleistung.

  • Es gibt drei Regelleistungsprodukte, auf die ÜNB zurückgreifen können: Primärregelleistung (PRL), Sekundärregelleistung (SRL) und Minutenreserveleistung (MRL). Sie unterscheiden sich darin, wie schnell und wie lange Regelleistung bereitgestellt wird.
  • Im kontinentaleuropäischen Stromverbund sind derzeit insgesamt 3.000 MW PRL vorzuhalten. Jeder ÜNB muss  den Anteil dieses PRL-Bedarfs vorhalten, der seinem Anteil an der gesamten Stromerzeugung im Verbund entspricht.
  • Zur Bestimmung des Bedarfs an MRL und SRL setzen die ÜNB ein spezielles Bemessungsverfahren ein. Es berücksichtigt mögliche Ursachen von Leistungsbilanzstörungen, wie z. B. Kraftwerksausfälle oder Prognosefehler von Last und Einspeisung erneuerbarer Energien.

2. Durchführung von Regelleistungsausschreibungen.

  • Die ÜNB schreiben den von ihnen ermittelten Bedarf an den drei Regelleistungsprodukten über eine gemeinsame Internetplattform  aus (www.regelleistung.net).
  • Die Grundlage der Ausschreibung sind der Transmission Code, die Stromnetzzugangsverordnung, die Beschlüsse der Bundesnetzagentur für die Ausschreibung von Sekundär- und Minutenreserve sowie das Energiewirtschaftsgesetz.
  • Regelleistung wird öffentlich ausgeschrieben. Die Zuschläge für die Angebote werden diskriminierungsfrei vergeben.
  • Für die Erbringung von PRL eignen sich flexible Lasten in der Regel nicht. Für DSM sind daher die Märkte für SRL und MRL relevant.
  • Bisher beträgt der Ausschreibezeitraum für SRL eine Woche. Sie kann für zwei sogenannte Zeitscheiben angeboten werden. Die Hauptzeit (HT) ist von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und die Nebenzeit (NT) gilt für die restliche Zeit inkl. bundeseinheitlicher Feiertage.
  • Die Ausschreibung für Minutenreserveleistung findet täglich statt. Geboten wird hier für sechs Zeitscheiben von jeweils vier Stunden.
  • Vergütet werden zum einen die Vorhaltung des Regelleistungsprodukts (Leistungspreis) und zum anderen der Abruf der Leistung (Arbeitspreis). 

3. Abrufen von Regelleistung.

  • Der Abruf von SRL durch den ÜNB erfolgt durch einen Leistungs-Frequenz-Regler, der automatisch das Abrufsignal an ein Unternehmen oder einen Pool sendet. Dieser beachtet bei seiner Abrufentscheidung die Abweichungen von der Sollfrequenz (50 Hz).
  • MRL wird von den ÜNB aktiviert, um bei länger anhaltenden Störungen die schneller aktivierbare SRL abzulösen, damit diese wieder für kurzfristige Leistungsbilanzstörungen zur Verfügung steht.
  • Die Abrufreihenfolge bei SRL und MRL erfolgt entsprechend den von den Bietern im Rahmen der Ausschreibung angebotenen Arbeitspreisen.

4. Präqualifikation von flexiblen Lasten und von DSM-Vermarktern.

  • Im Rahmen der Präqualifikation prüft der ÜNB, ob die in einem Unternehmen identifizierten Anlagen (technische Einheiten) für die Erbringung von Regelleistung geeignet sind. 
  • Der ÜNB prüft jede Anlage des Anbieters. Er untersucht, ob die technischen Anforderungen erfüllt sind, z. B. in Bezug auf die Geschwindigkeit der Lastanpassung oder die Anbindung an die Fernwirktechnik.

  • Für die erfolgreiche Präqualifikation einer Anlage müssen mindestens die folgenden Kriterien erfüllt sein:

    • Die Messbarkeit der flexiblen Stromlast am Netzanschlusspunkt muss gewährleistet sein, so dass Schaltungen der flexiblen Stromlast im Gesamtlastgang eindeutig identifiziert werden können. Getestet wird die Steuerungsfähigkeit mithilfe einer sogenannten „Doppelhöckerkurve“, die das Verhalten der Leistungsaufnahme der Anlage bei einer Leistungsanpassung aufzeigt.
    • Der Regelleistungsanbieter bzw. DSM-Vermarkter übermittelt dem ÜNB die aktuelle sowie die prognostizierten Leistungsaufnahme (voreilender Arbeitspunkt) der flexiblen Anlagen in den nächsten 5 Minuten.
    • Das Steuerungskonzept muss auch sicherstellen, dass bei einem Abruf kein Gegenregeln, z. B. von redundanten Anlagen, erfolgt.

  • Darüber hinaus müssen Lasteneigner für eine erfolgreiche Präqualifikation dem ÜNB die folgenden Unterlagen vorlegen:

    • VNB-Bestätigung: Sie beinhaltet u. a. die Netzanschlussbestätigung (siehe Steckbrief VNB). 
    • BKV-Bestätigung: Sie bestätigt u. a. die Möglichkeit zur Regelleistungserbringung im jeweiligen Bilanzkreis (siehe Steckbrief BKV).

  • Die Gültigkeit der Präqualifikation einer technischen Einheit bleibt auch dann erhalten, wenn ein Unternehmen seine flexiblen Lasten durch einen ebenfalls präqualifizierten DSM-Vermarkter vermarkten lässt, bzw. den DSM-Vermarkter wechselt.

  • Unabhängig von der technischen Einheit muss jeder Anbieter am Regelleistungsmarkt, also auch jeder DSM-Vermarkter, vom ÜNB präqualifiziert werden.

  • Beim DSM-Vermarkter werden in der Regel keine Anlagen, sondern  das Gesamtkonzept eines virtuellen Kraftwerks präqualifiziert.