Steckbrief: Regelleistungsmarkt.

Um die Soll-Frequenz des Stromnetzes von 50 Hz zu halten, muss die eingespeiste Strommenge zu jedem Zeitpunkt der entnommenen Strommenge entsprechen. Im Netzbetrieb kommt es zu nicht prognostizierbaren und damit nicht vermeidbaren Störungen des Gleichgewichts zwischen Ein- und Ausspeisungen und damit zu Frequenzabweichungen. Zum Ausgleich der Abweichungen und damit zur Gewährleistung des Gleichgewichts in ihrer jeweiligen Regelzone setzen die Übertragungsnetzbetreiber Regelleistung ein. Unternehmen können Regelleistung bereitstellen,  indem sie ihre flexiblen Lasten entsprechend deren Eigenschaften am Regelleistungsmarkt anbieten. Diese werden dann  je nach Anforderung des ÜNB zu- oder abgeschaltet. Es werden drei Regelleistungsprodukte unterschieden:

Primärregelleistung (PRL) wird vom ÜNB zur möglichst schnellen Stabilisierung der Netzfrequenz nach einem Störereignis genutzt.
Sekundärregelleistung (SRL) wird vom ÜNB zum Ausgleich etwas länger anhaltender Störungen eingesetzt. Anders als die PRL wird die SRL in der Regelzone aktiviert, in der die Störung auftritt.
Minutenreserveleistung (MRL) wird vom ÜNB bei Störungen ab 15 Minuten Dauer eingesetzt

Regelleistungsmarkt im Überblick.

1. Der Regelleistungsmarkt – Ausschreibungen für die Regelleistungsprodukte.

  • Die ÜNB schreiben den von ihnen ermittelten Bedarf an den drei Regelleistungsprodukten über eine gemeinsame Internetplattform  aus: www.regelleistung.net.
  • Die Grundlagen der Ausschreibung sind der Transmission Code, die Stromnetzzugangsverordnung, die Beschlüsse der Bundesnetzagentur für die Ausschreibung von Sekundär- und Minutenreserve vom 18.10.2011 sowie das Energiewirtschaftsgesetz.
  • Regelleistung wird öffentlich ausgeschrieben.  Die Zuschläge für die Angebote werden diskriminierungsfrei vergeben.
  • Für die Erbringung von PRL eignen sich flexible Lasten in der Regel nicht, da symmetrisch positive wie auch negative Leistung frequenzgesteuert (vor Ort gemessen und geschaltet) und innerhalb von 30 Sek. angeboten und bereitgestellt werden muss und hier der Aufwand für industrielle Lasten in der Regel den Nutzen übersteigt. Für DSM sind daher hauptsächlich  die Märkte für SRL und MRL relevant.
  • Aktuell beträgt der Ausschreibezeitraum für SRL  eine Woche. Sie kann für zwei sogenannte Zeitscheiben angeboten werden. Die Hauptzeit (HT) ist von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und die Nebenzeit (NT) gilt für die restliche Zeit inkl. bundeseinheitlicher Feiertage.
  • Die Ausschreibung für Minutenreserveleistung findet täglich statt. Geboten wird hier für sechs Zeitscheiben von jeweils vier Stunden.

2. Zugangsvoraussetzungen für den Regelleistungsmarkt.

  • Die BNetzA legt die Anforderungen an die drei Regelleistungsprodukte fest. Diese müssen auch von flexiblen Lasten erfüllt werden, wenn sie Regelleistung erbringen sollen.  Für jeden der drei Regel-leistungsmärkte muss ein Angebot eine Mindestgröße an Leistung sowie eine Mindestdauer, in der die Regelleistung erbracht werden kann (Zeitscheibe), erreichen.
  • Zudem muss jede Anlage (technische Einheit), deren Last am Regelleistungsmarkt angeboten werden soll, präqualifiziert werden. Bei der Präqualifikation werden Kriterien wie Reaktionszeit der technischen Einheit, deren Verfügbarkeit und weitere Eigenschaften überprüft.
  • Für jeden der Regelleistungsmärkte gelten für die Präqualifikation unterschiedliche Anforderungen. Je nach Eigenschaft der technischen Einheit wird die Präqualifikation daher für einen bestimmten Markt durchgeführt, z. B. für den Markt für Sekundärregelleistung. 

3. Überblick über die drei Regelleistungsprodukte.

RegelleistungsproduktAusschreibungszeitraumMindestangebotZeitscheiben
Primärregelleistung1 Woche +1 MW/ - 1 MWkeine
Sekundärregelleistung1 Woche+ 5 MW/ - 5 MW Hauptzeit (Mo.-Fr., 8:00-20:00 Uhr), Nebenzeit (0:00-8:00 und 20:00-24:00 Uhr sowie Sa., So. und Feiertage)
Minutenreserve1 Tag+ 5 MW/ - 5 MWJeden Tag 6 Zeitscheiben à 4 Stunden beginnend bei 0:00 Uhr

4. Poolung flexibler Lasten zur Regelleistungserbringung.

  • Es besteht die Möglichkeit, mehrere technische Einheiten in einem Verbund zusammenzuschalten und als virtuelle Gesamteinheit als Regelleistung anzubieten. Dieses Vorgehen wird als Poolung bezeichnet.
  • Durch eine Poolung können auch technische Einheiten vermarktet werden, die die Mindestleistung alleine nicht erreichen oder die nicht die gesamte Zeitscheibe zur Verfügung stehen (z. B. wenn eine technische Einheit nicht die volle Zeitscheibe gedrosselt oder abgeschaltet werden kann). In einem Pool können sich die verschiedenen zusammengefassten technischen Einheiten dann so ergänzen, dass die gesamte Zeitscheibe bedient werden kann.
  • Auch bei einer Poolung muss jede technische Einheit separat präqualifiziert werden.
  • Den Aufbau und die Vermarktung eines Pools bzw. eines virtuellen Kraftwerks von flexiblen Lasten übernehmen Dienstleistungsun-ternehmen (DSM-Vermarkter oder Aggregatoren), die auf die Vermarktung flexibler Stromlasten spezialisiert sind. D.h. sie führen die Lasten verschiedener Unternehmen zusammen und vermarkten sie als gemeinsame Last.
  • Um an den drei Regelleistungsmärkten ein Angebot abgeben zu können, müssen sich auch die DSM-Vermarkter als Anbieter präqualifizieren.