Steckbrief Unternehmen.

Die Vermarktung von flexiblen Lasten auf dem Regelleistungsmarkt mithilfe von Demand Side Management (DSM) ist für die die meisten Unternehmen ein neues Handlungsfeld. Unternehmen können in ihrer Funktion als sogenannte Lasteneigner durch die Vermarktung flexibler Lasten neue Erlösmöglichkeiten erschließen. Die Vermarktung kann dabei durch das Unternehmen selbst oder unter Einbindung eines Vermarkters erfolgen.

Zentrale Schritte:

1. Eigenvermarktung oder Einbindung eines DSM-Vermarkters?

  • Zur Unterstützung der Vermarktung flexibler Lasten können Unternehmen sogenannte DSM-Vermarkter einbinden. Dies sind Dienstleistungsunternhemen, die u.a. auf die Vermarktung flexibler Stromlasten spezialisiert sind.
  • Unternehmen mit einem hohem Stromverbrauch und einem eigenen Bilanzkreisverantwortlichen können ihre Lasten selbst vermarkten. Hier steht bei der Entscheidung für eine externe Vermarktung die Ressourcenfrage und interne Risikoabschätzungen im Vordergrund.
  • Insbesondere für Unternehmen mit eher kleinen Lasten lohnt es sich, einen DSM-Vermarkter hinzuzuziehen, denn diese führen die Lasten verschiedener Unternehmen in einem Pool zusammen und vermarkten sie gemeinsam.
  • Ein DSM-Vermarkter kann auch nachträglich eingebunden werden, wenn bereits Regelleistung vermarktet wird. Auch ein Anbieterwechsel ist je nach Vertragslage möglich.

2. Potenzialanalyse: Identifizierung flexibler Lasten.

  • Auf die Eignung eines Prozesses für eine Vermarktung haben viele Faktoren Einfluss. Auch kleinere flexible Lasten können für eine DSM-Vermarktung interessant sein. Wichtig für die Potenzialanalyse sind Faktoren wie Leistungsaufnahme, Ansteuerbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit des flexiblen Prozesses, sowie die mögliche Einsatzhäufigkeit.

3. Wirtschaftlichkeitsanalyse.

  • Auf Basis der Potenzialanalyse wird eine erste Abschätzung der Wirtschaftlichkeit durchgeführt.
  • Hierzu werden potenzielle Erlöse den mit der Verschiebung der Lasten verbundenen Kosten gegenübergestellt.
  • Ein DSM-Vermarkter kann zur Erstellung bzw. Plausibilisierung der Abschätzung in die Wirtschaftlichkeitsanalyse eingebunden werden, da er auf Vermarktungserfahrung mit verschiedenen Prozessen zurückgreifen kann.
  • Bei der Vermarktung von DSM-Potenzial am Regelleistungsmarkt wird bereits die Vorhaltung von Regelleistung vergütet, der sogenannte Leistungspreis. Bei jedem Abruf von Regelleistung kommt ein weiterer Erlös hinzu, der sogenannte Arbeitspreis pro erbrachter MWh.
  • Eine Abschätzung der Erlöse kann z. B. über die auf dem Regelleistungsmarkt durchschnittlich erzielten Erlöse der vergangenen Quartale gemacht werden. Diese werden auf der Internetseite www.regelleistung.net veröffentlicht.
  • Eine Abschätzung über den tatsächlichenUmfang der Abrufe und damit der Erlöse ist hingegen nicht  möglich. 
  • Eine grobe Einordnung möglicher Einnahmen für die Vorhaltung von Regelleistung (Leistungspreis) kann  über den Erlösrechner für flexible Lasten auf dem Regelleistungsmarkt  erfolgen: www.dsm-bw.de/erloesrechner. Die Preise für Regelleistung bilden sich wettbewerblich über das gemeinsame zentrale Ausschreibungssystem der vier ÜNB.

4. Entscheidung über Vermarktung.

  • Ist die Vermarktung von Regelleistung attraktiv für das Unternehmen (wirtschaftlich, Know-how Aufbau oder andere Gründe), wird die Entscheidung über die Vermarktung getroffen und in der Regel ein Vermarktungsvertrag geschlossen.
  • Der Vertrag regelt die Details wie das Vergütungsmodell, Umfang und Dauer möglicher Eingriffe,  die vorgesehene Regelleistungsart sowie die Verfügbarkeit des regelbaren Prozesses. Damit wird sichergestellt, dass die Produktionsprozesse nur entsprechend der Unternehmensvorgaben beeinflusst werden, z. B. wenn ein Pufferspeicher ausreichend gefüllt ist oder wenn die Erlöse für die Bereitstellung der Flexibilität eventuelle Einbußen durch die Beeinflussung der Produktion übertreffen.
  • Soll die Vermarktung ohne DSM-Vermarkter durchgeführt werden, sollte spätestens hier die Fachabteilung (Stromeinkauf) hinzugezogen werden und mit Schritt 5. Technische Anbindung der Anlagen an eine Fernwirktechnik fortgefahren werden.

5. Technische Anbindung der Anlagen an eine Fernwirktechnik.

  • Ergibt die Analyse, dass die Vermarktung der flexiblen Lasten am Regelleistungsmarkt wirtschaftlich ist und entscheidet sich das Unternehmen für eine Vermarktung, ist der nächste Schritt die technische Umsetzung.
  • Hierzu werden die Anlagen, deren Lasten in der SRL angeboten werden, an eine Fernwirktechnik angebunden. Die Anlagen können über diese direkt vom ÜNB gesteuert werden. Anlagen die ausschließlich in der MRL vermarktet werden sollen , können u.U. auf einem anderen Weg, ohne direkte Fernwirkverbindung zum ÜNB geschaltet werden.
  • Ob das Unternehmen die dafür benötigte Technik selbst beschafft oder der DSM-Vermarkter sie zur Verfügung stellt, wird vertraglich vereinbart.
  • Art und Umfang der erforderlichen Fernwirktechnik ist maßgeblich davon abhängig, welcher Ausrüstungsstand im Unternehmen bereits vorliegt.
  • Neben einer direkten Steuerung der zu schaltenden Anlage kann auch ein Signal an die Leitwarte des Unternehmens gesendet werden. Das Unternehmen schaltet zum Zeitpunkt des Abrufs dann die zu regelnden Anlagen nach den Vorgaben des ÜNB selbst.
  • Nach der Anbindung der Fernwirktechnik werden Testschaltungen durchgeführt und die Verfügbarkeit sowie die mögliche Schaltdauer und -höhe der flexiblen Lasten überprüft. Dies ist Teil der Präqualifikation der Anlagen für die Teilnahme am Regelleistungsmarkt.

6. Präqualifikation durch den ÜNB.

  • Die Präqualifikation der technischen Einheiten (Anlagen), die flexible Last bereitstellen sollen, stellt sicher, dass ein Schaltaufruf des ÜNB wie vorgesehen umgesetzt werden kann.
  • Für die Präqualifikation einer Anlage müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:
  1. Messbarkeit der flexiblen Stromlast am Netzanschlusspunkt, so dass Schaltungen der Stromlast eindeutig im Gesamtlastgang identifiziert werden können.
  2. Für die flexible Stromlast muss es möglich sein, dem ÜNB den aktuellen sowie den prognostizierten Arbeitspunkt der nächsten 15 Minuten anzugeben.
  3. Im Falle eines Pools wird dem ÜNB ein aggregierter Arbeitspunkt angegeben.
  4. Alternativ muss der Anbieter über ein geeignetes Steuerungskonzept plausibel nachweisen, dass ein Abruf in eine entsprechende Lastveränderung umgesetzt wird.
  5. Das Steuerungskonzept muss auch sicherstellen, dass bei einem Abruf kein Gegensteuern z. B. von redundanten Anlagen erfolgt.
  • Das Unternehmen stellt zunächst die vorher identifizierten technischen Einheiten beim ÜNB zur Präqualifikation vor, indem es entsprechende Unterlagen einreicht. Zu den benötigten Unterlagen zählen die Bestätigungserklärungen des BKV und des VNB. Arbeitet das Unternehmen mit einem DSM-Vermarkter zusammen, kann dieser einen Teil der benötigten Unterlagen erstellen und bei der Präqualifikation unterstützen. Der  DSM-Vermarkter muss ebenfalls als Anbieter für den Regelleistungsmarkt präqualifiziert sein.
  • Der ÜNB führt anschließend eine Prüfung für jede technische Einheit durch. 

7. Vertrag mit dem ÜNB.

  • Nach positiver Präqualifikation schließt das Unternehmen mit dem ÜNB einen Rahmenvertrag ab.
  • Der Rahmenvertrag regelt die technischen, rechtlichen, organisatorischen, operativen und kommerziellen Rahmenbedingungen für das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sowie für die Vorhaltung und Erbringung von Sekundärregelleistung bzw. Minutenreserve.
  • Vermarktet das Unternehmen seine flexiblen Lasten selbständig, unterliegt es den Mindestanforderungen des jeweiligen Marktes auf dem es Regelleistung anbieten möchte (bspw. 5 MW Mindestangebotsgröße).

8. Regelleistungsabruf.

  • Der ÜNB ruft zur Sicherstellung der Systemstabilität bei den für den Zeitraum beauftragten Regelleistungsanbietern ab. Die Abrufreihenfolge erfolgt entsprechend den angebotenen Arbeitspreisen .
  • Sobald das Unternehmen bzw. der DSM-Vermarkter vom ÜNB die Leistungsanforderung erhält, setzt er diese mit seinem flexiblen Stromlasten entsprechend um.
  • Bei der Vermarktung über einen  Dienstleister gibt dieser hierfür das Regelungssignal an die verfügbaren Lasten in seinem Pool weiter.
  • Die aufgerufenen Unternehmen passen daraufhin die Leistungsaufnahme ihrer flexiblen Lasten an und erfüllen damit die vom ÜNB geforderte Leistungsvariation.

9. Kontinuierliche Prozesskontrolle.

Letzter Schritt ist eine fortlaufende Kontrolle des Demand-Side-Management-Prozesses. Im Rahmen der Prozesskontrolle analysiert das Unternehmen:

  • ob sich die Vermarktung flexibler Lasten wirtschaftlich lohnt,
  • ob eine Weiterentwicklung und Ausweitung des DSM auf weitere Anlagen des Unternehmens möglich ist,
  • ob Anpassungen notwendig sind (z. B. bei  Veränderungen der flexiblen Last beispielsweise durch Zu- oder Abbau von Anlagen).