Schritt 6: Organisatorische Voraussetzungen schaffen

Präqualifikation: Was ist das?

Die Präqualifikation einer Anlage (Technische Einheit), die flexible Last bereitstellen soll, stellt sicher, dass ein Schaltaufruf des ÜNB wie vorgesehen umgesetzt werden kann.
Im Rahmen der Präqualifikation prüft der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), ob sich die in Ihrem Unternehmen identifizierten Anlagen für die Erbringung von Regelleistung eignen. Der ÜNB untersucht jede Anlage des Unternehmens, das Regelleistung erbringen möchte. Er überprüft, ob die technischen Anforderungen erfüllt sind, z. B. in Bezug auf die Geschwindigkeit der Lastanpassung oder die Anbindung an die Fernwirktechnik.

Für die erfolgreiche Präqualifikation einer Anlage müssen mindestens die folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Messbarkeit der flexiblen Stromlast am Netzanschlusspunkt, sodass Schaltungen der flexiblen Stromlast im Gesamtlastgang eindeutig identifiziert werden können.
  • Für die flexible Stromlast muss es möglich sein, dem ÜNB die aktuelle sowie die prognostizierte Leistungsaufnahme der nächsten 15 Minuten anzugeben. Im Falle eines Pools wird dem ÜNB eine aggregierte Leistungsaufnahme angegeben.
  • Alternativ muss das Unternehmen durch ein geeignetes Steuerungskonzept plausibel nachweisen, dass ein Abruf durch den ÜNB auch wirklich in eine entsprechende Lastveränderung umgesetzt werden kann.
  • Das Steuerungskonzept muss auch sicherstellen, dass bei einem Abruf kein Gegensteuern, z. B. von redundanten Anlagen, erfolgt.

Bestätigungserklärung des Verteilnetzbetreibers einholen (VNB-Bestätigung)

Für die Präqualifikation seiner flexiblen Lasten für den Regelleistungsmarkt benötigt der Lasteneigner vom Verteilnetzbetreiber (VNB)  die sogenannte „Bestätigungserklärung des Anschlussnetzbetreibers für Regelleistungsvorhaltung und -erbringung“.

In dieser Erklärung bestätigt der zuständige VNB, dass der Lasteneigner einen bestehenden Netzanschlussvertrag hat und die Erbringung von Regelleistung im Netz des VNB ohne zeitliche und technische Einschränkungen möglich ist.

Beim Erstanschluss eines Unternehmens an das Stromversorgungsnetz wird in der Regel eine Netzauslegungsberechnung durch den VNB durchgeführt. Darin wird bereits der mögliche Volllastbezug des Unternehmens berücksichtigt, sodass bei einer Flexibilisierung keine erneute Berechnung notwendig ist. Dies wird im Netzanschlussvertrag bestätigt.

Liegt kein Netzanschlussvertrag mit dem Lasteneigner vor, kann eine VNB-Bestätigung auch bei ausreichender Netzkapazität für die Regelleistungserbringung nicht erteilt werden, da die Präqualifikation einen Netzanschlussvertag vorschreibt.

Für die VNB-Bestätigung gibt es ein Standard-Dokument. Es wird auf der Website www.regelleistung.net von den vier Übertragungsnetzbetreibern zur Verfügung gestellt.


Bestätigung des Bilanzkreisverantwortlichen einholen (BKV-Bestätigung)

Die Erbringung von Regelleistung durch flexible Lasten eines Unternehmens ist ein Eingriff in den Bilanzkreis. Möchte Ihr Unternehmen seine flexiblen Stromlasten am Regelleistungsmarkt vermarkten, müssen Sie daher die Zustimmung Ihres Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) einholen.

Die Bestätigung erfolgt über zwei Standarddokumente, die BKV-Bestätigung für Sekundärregelleistung (SRL) und die für Minutenreserveleistung (MRL). Die Erteilung der Bestätigung durch den BKV benötigt in der Praxis einigen Zeitaufwand.

Der BKV ist über den Bilanzkreisvertrag mit dem ÜNB nach §26 Stromnetzzugangsverordnung zur Öffnung des Bilanzkreises für die Erbringung von MRL verpflichtet. Die Öffnung des Bilanzkreises zur Erbringung von SRL ist nicht explizit im Vertrag geregelt.

Für den BKV verursacht die Öffnung seines Bilanzkreises für Regelleistung Mehraufwände. Die abgerufene Regelleistung wird dem BKV zwar aus seinem Bilanzkreis rechnerisch ausgebucht, jedoch kann sich durch das Nachholen oder das Absenken des Strombezugs des Unternehmens zu einem späteren Zeitpunkt ein Ungleichgewicht im Bilanzkreis ergeben, das der BKV ausgleichen muss.