Schritt 9: Abruf der flexiblen Lasten

Regelleistung bereitstellen

Sobald Ihr Unternehmen die Leistungsanforderung erhält, setzen Sie diese mit Ihren flexiblen Stromlasten entsprechend um. Vermarkten Sie Ihre flexiblen Lasten selbst, erhalten Sie die Abrufaufforderung direkt vom Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Bei der Vermarktung über einen  DSM-Vermarkter gibt dieser das Regelungssignal des ÜNB an die in seinem Pool verfügbaren Lasten und damit auch an Ihr Unternehmen weiter.

Der Abruf von Sekundärregelleistung (SRL) durch den ÜNB erfolgt automatisiert durch einen Leistungs-Frequenz-Regler, der kontinuierlich die Frequenz im Stromnetz überwacht. Weicht sie von der Sollfrequenz (50 Hz) ab, veranlasst der Regler den Abruf von Sekundärregelleistung.

Minutenreserveleistung (MRL) wird von den ÜNB bei länger anhaltenden Störungen im Stromnetz aktiviert, um die schneller aktivierbare SRL abzulösen. Diese kann dann wieder für kurzfristige Leistungsbilanzstörungen zur Verfügung stehen.

Die Abrufreihenfolge bei SRL und MRL erfolgt entsprechend den von den Anbietern im Rahmen der Aus-schreibung angebotenen Arbeitspreisen. Die aufgerufenen Unternehmen passen daraufhin die Leistungsaufnahme- und -abgabe ihrer Anlagen an und erfüllen damit die vom ÜNB geforderte Leistungsvariation.


Sicherheiten einplanen

Für den Abruf der Regelleistung und damit den Eingriff in Ihren betrieblichen Prozess sollten Sie klare Bedingungen definieren,  z. B. durch zeitliche Begrenzungen, wann eine bestimmte Last zur Erbringung von Regelleistung angeboten wird. Damit stellen Sie sicher, dass Ihre Produktion nicht beeinträchtigt wird.     

Eine solche Bedingung kann die Garantie sein, dass die Produktionsprozesse nur zu unkritischen Zeiten beeinflusst werden, z. B. wenn die Pufferspeicher ausreichend gefüllt sind oder wenn die Erlöse für Regelleistung eventuelle Einbußen durch die Beeinflussung der Produktion übertreffen.
Solche Sicherheiten können Sie in den Verhandlungen mit dem DSM-Vermarkter bei der Aufnahme der flexiblen Lasten in einen Pool erarbeiten bzw. in den Angeboten für Regelleistung berücksichtigen. 

Bieten Sie Ihre flexiblen Lasten selbständig am Regelleistungsmarkt an, müssen Sie diese Sicherheiten selbst erarbeiten.


Erfolge kontrollieren und DSM entwickeln

Zur Kontrolle Ihrer Ergebnisse und zur kontinuierlichen Verbesserung des Vorgehens sollten Sie Ihr DSM regelmäßig überprüfen, idealerweise jährlich. Dabei können Sie folgende Punkte berücksichtigen:

  • Ergeben sich durch die Vermarktung der betrieblichen Lasten die erwarteten Erlöse?
  • Liegen die variablen Kosten im erwarteten Rahmen?
  • Stimmt die Wirtschaftlichkeit insgesamt?
  • Stimmen die Prozess- und die Produktqualität noch?
  • Was kann bei der Umsetzung des DSM optimiert werden?
  • Kann auf Basis der bisher gewonnenen Erfahrungen die Flexibilität der Prozesse noch erweitert werden?

Eine fortlaufende Revision des Prozesses ist insbesondere dann notwendig, wenn es Veränderungen im Anlagenprozess gab, z. B. wenn Anlagen hinzukommen oder abgebaut wurden. Auch bei dieser Überprüfung ist es hilfreich, wenn bereits ein Energiemanagementsystem in Ihrem Unternehmen vorhanden ist und  die Vermarktungsprozesse darin vollständig eingebunden sind. Dann können Sie alle Entwicklungen im Blick behalten und entsprechen nachjustieren.