Steckbrief: Dienstleister für Unternehmen – Vermarkter von flexiblen Lasten.

DSM-Vermarkter sind Energiedienstleister, die u.a. auf die Vermarktung flexibler Stromlasten spezialisiert sind. Sie führen die Lasten verschiedener Unternehmen in einem Pool zusammen und vermarkten sie gemeinsam in einem virtuellen Kraftwerk. Dadurch ermöglichen sie es auch Unternehmen mit flexiblen Lasten, die kleiner sind als die Mindestangebotsgröße von 5MW, diese als Regelleistung zu vermarkten.

DSM-Vermarkter übernehmen folgende Dienstleistungen:

1. Identifizierung flexibler Lasten im Unternehmen.

  • Gemeinsam mit dem Unternehmen analysiert der Vermarkter das vorhandene DSM-Potenzial für Regelleistung sowie dessen Verfügbarkeit. Auch eine erste Abschätzung der Erlösmöglichkeiten von flexiblen Lasten am Regelleistungsmarkt wird durchgeführt.
  • Eine Vor-Ort-Begehung im Unternehmen durch den DSM-Vermarkter klärt zudem offene Fragen und schafft ein gemeinsames Verständnis zwischen den Akteuren.
  • Anhand von Daten wie elektrischer Leistungsaufnahme der Anlagen, Dauer der Leistungserbringung etc. legt der DSM-Vermarkter gemeinsam mit dem Unternehmen fest,  auf welchem Regelleistungsmarkt  (Sekundärregelleistungs- oder Minutenreservemarkt) die flexiblen Stromlasten vermarktet werden können.
  • Bei einer Einbeziehung von Produktionsprozessen in das DSM muss ermittelt werden, wie eine negative Beeinträchtigung des Produktionsprozesses ausgeschlossen werden und eine automatisierte Schaltung der Prozesse erfolgen kann.
  • Für den Eingriff in einen betrieblichen Prozess definiert der DSM-Vermarkter gemeinsam mit dem Unternehmen Bedingungen dafür, wie ein Abruf von Regelleistung konkret erfolgt.
  • Ergibt die erste Abschätzung, dass eine Vermarktung der identifizierten flexiblen Lasten wirtschaftlich sein könnte, wird ein Vergütungsmodell zwischen Unternehmen und DSM-Vermarkter vereinbart.
  • Das Vergütungsmodell berücksichtigt die geplanten Eingriffe in Höhe und Dauer,  den vorgesehenen Regelleistungsmarkt (SRL oder MRL) sowie die Verfügbarkeit des regelbaren Prozesses.

2. Anbindung flexibler Lasten an eine Fernwirktechnik.

  • Für den Abruf von Regelleistung implementieren DSM-Vermarkter und Unternehmen eine Schnittstelle zwischen der Fernwirktechnik des ÜNB bzw. des DSM-Vermarkters und der lokalen Mess- und Steuerungstechnik des Unternehmens.
  • Die konkrete Ausgestaltung der Schnittstelle erfolgt nach den Vorgaben des ÜNB.
  • DSM-Vermarkter und Unternehmen vereinbaren, ob das Unternehmen die benötigte Technik selbst beschafft oder ob sie vom DSM-Vermarkter zur Verfügung gestellt wird.
  • Nach Installation und Anbindung der Schnittstelle folgt eine Testphase.
  • Bei den Tests arbeiten DSM-Vermarkter und Unternehmen eng zusammen.
  • Diese Schritte sind Teil der Präqualifikation der Anlagen für die Teilnahme am Regelleistungsmarkt (siehe nachfolgender Abschnitt). Die Unternehmen müssen die für die Präqualifikation notwendigen Informationen  über die Anlagen (z. B. produktionsarme Zeiten etc.) an den DSM-Vermarkter übermitteln.
  • Parallel zur Präqualifikation führt der DSM-Vermarkter einen Testbetrieb mit der flexiblen Last durch und nimmt Feinjustierungen der Steuerungs- und Regelungstechnik vor.
  • Für die Identifizierung der geeigneten Prozesse, die Tests der DSM-Vermarkter und die anschließende Präqualifikation der Anlagen sind ca. vier bis sechs Monate einzuplanen.
  • Die Kontaktaufnahme zu den weiteren Akteuren kann der DSM-Vermarkter bereits in der Testphase beginnen.

3. Unterstützung bei der Präqualifikation.

  • Bei der Präqualifikation wird geprüft, ob die flexiblen Lasten technisch dafür geeignet sind, Regelleistung bereitzustellen. Die Präqualifikation erfolgt durch den ÜNB. Je nach angestrebtem Regelleistungsmarkt müssen die Anlagen unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Ist die Präqualifikation abgeschlossen berechtigt sie zur Teilnahme an den entsprechenden Märkten für Regelleistung. Dabei führt der ÜNB eine Prüfung für jede Anlage (technische Einheit) durch, die Regelleistung anbieten soll.

  • Der DSM-Vermarkter unterstützt die Unternehmen bei der Erstellung der Unterlagen für die Präqualifikation. Benötigt werden:

    • Eine Bestätigung des BKV. Dies ist eine Vereinbarung über die Öffnung des Bilanzkreises für die Vermarktung von Regelleistung.
    • Eine Anschlussbestätigung des VNB. Dieser bestätigt darin, dass einer Vermarktung der flexiblen Lasten als Regelleistung aus netztechnischen Gesichtspunkten nichts entgegensteht.

  • Die Präqualifikation einer technischen Einheit bleibt auch dann gültig, wenn das Unternehmen den DSM-Vermarkter wechselt.

 

 

4. Poolung flexibler Lasten.

Kleine technische Einheiten können oftmals nicht alle Anforderungen der Präqualifikation, zum Beispiel in Hinblick auf Mindestleistung oder Zeit- und Arbeitsverfügbarkeit, erfüllen. Über die Bündelung in einem Pool mehrerer Anlagen durch den DSM-Vermarkter können sie trotzdem am Regelleistungsmarkt teilnehmen. Hierbei ist folgendes zu beachten:

  • Für die Erbringung von PRL eignen sich flexible Lasten in der Regel nicht, da symmetrisch positive wie auch negative Leistung frequenzgesteuert (vor Ort gemessen und geschaltet) und innerhalb von 30 Sek. angeboten und bereitgestellt werden muss und hier der Aufwand für industrielle Lasten in der Regel den Nutzen übersteigt.
  • Für die Erbringung von Sekundärregelleistung und Minutenreserve ist eine regelzonenübergreifende Zusammenführung von Lasten durch den DSM-Vermarkter möglich, um die geforderte Mindestgröße von 5 MW zu erreichen.
  • Erreicht ein Pool die Mindestgröße bereits innerhalb einer Regelzone, ist eine Poolung mit weiteren Anlagen außerhalb der Regelzone nicht mehr möglich.

5. Regelleistungsabruf.

  • Sobald der DSM-Vermarkter vom ÜNB die Leistungsanforderung erhält, setzt er sie mit seinem Pool um.
  • Dafür gibt der DSM-Vermarkter das Regelungssignal des ÜNB an die verfügbaren Lasten in seinem Pool weiter.
  • Dabei berücksichtigt er die mit den Unternehmen getroffenen Vereinbarungen und mögliche, spezifische Restriktionen.
  • Solche Restriktionen, z. B. zeitliche Begrenzungen, wann eine bestimmte flexible Last zur Erbringung von Regelleistung angeboten wird und wie lange sie abgerufen werden kann, können in den Verhandlungen zwischen Unternehmen und DSM-Vermarkter erarbeitet werden.

6. Ablauf nach dem Regelleistungsabruf.

  • Die Abrechnung von Regelleistung erfolgt über eine monatliche Abrechnung zwischen dem Unternehmen und dem DSM-Vermarkter. Der DSM-Vermarkter selbst rechnet die erbrachte Regelleistung mit dem ÜNB ab.
  • Nach Erbringung der Regelleistung gleichen der DSM-Vermarkter und die betroffenen BKV ihre Bilanzkreise aus.
  • Der DSM-Vermarkter teilt hierfür die Fahrplanlieferung der ÜNB entsprechend der für den Abruf herangezogenen flexiblen Stromlasten auf die einzelnen BKV auf.

7. Zusammenarbeit mit dem Bilanzkreisverantwortlichen.

  • Dies erfolgt üblicherweise durch den DSM-Vermarkter. Der Prozess des Informationsflusses zum Abruf von Regelleistung kann im Rahmen der BKV-Bestätigung zwischen DSM-Vermarkter und BKV ausgehandelt werden. Hierfür existiert derzeit noch kein Standardprozess.
  • Für den BKV kann die Öffnung des Bilanzkreises zu Mehraufwendungen führen.
  • Die abgerufene Regelleistung wird dem BKV zwar aus seinem Bilanzkreis rechnerisch ausgebucht, jedoch kann sich durch das Nachholen des Lastverzichts oder das Absenken des Bezugs der Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt ein Ungleichgewicht im Bilanzkreis ergeben.
  • Ein Vertrag zwischen BKV und DSM-Vermarkter kann dafür eine Ausgleichszahlung regeln.
  • Bisher gibt es noch keine Standards für die Abstimmung zwischen BKV und DSM-Vermarkter über die Zugriffe bzw. Eingriffe in den Bilanzkreis bei der DSM-Vermarktung.