Netzengpassmanagement: bilaterale Verträge zur Entlastung der Stromnetze

Unternehmen können mit Netzbetreibern Vereinbarungen zur Nutzung flexibler Lasten treffen, zum Beispiel um in kritischen Netzsituationen durch gezielte Schaltungen den Netzbetrieb zu stabilisieren.

Der Hintergrund ist folgender: Ist es aufgrund fehlender Netzkapazitäten zeitweise nicht möglich, Strom von Orten mit hoher Einspeisung zu Orten mit hohem Verbrauch zu transportieren, ist der Übertragungsnetzbetreiber dafür verantwortlich, diesen Netzengpass frühzeitig zu identifizieren und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Eine Möglichkeit, um zukünftig Netzengpässe zu vermeiden, besteht darin, flexible Lasten bedarfsgerecht im Stromnetz zu verschieben bzw. abzuschalten.

Auf der Basis der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) vom 20. Dezember 2012 wurde vom Gesetzgeber durch die „Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten“ (AbLaV) die Möglichkeit geschaffen, dass Anbieter von abschaltbaren Lasten für Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Netz- und Systemsicherheit Verträge mit den Netzbetreibern abschließen können.

Gemäß der sogenannten Abschaltverordnung erfolgt durch die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) monatlich eine Ausschreibung von jeweils 1.500 Megawatt (MW) sofort und schnell abschaltbarer Lasten. Seit Juni 2013 führen die ÜNB deutschlandweit diese Ausschreibungen durch. Die Ausschreibungen umfassen 3.000 MW Nachfragelast, die bei Bedarf zur Sicherung der Netzstabilität automatisch bzw. ferngesteuert durch den Netzbetreiber abschaltbar sein müssen. Zur Teilnahme an einer Ausschreibung muss jeder Anbieter im Vorfeld eine Präqualifikation bei seinem ÜNB erfolgreich durchlaufen. Dies ist Voraussetzung für den anschließenden Abschluss eines Rahmenvertrags mit dem jeweiligen ÜNB. Darüber hinaus muss die angebotene verschiebbare Last mindestens 50 MW betragen.

Diese Mindestlast kann durch einzelne Verbraucher, zum Beispiel Unternehmen, oder über ein Konsortium als Pool innerhalb einer Regelzone präqualifiziert werden. Ein solcher Pool darf aus maximal fünf Verbrauchern bestehen, die alle im Wirkungsbereich eines Höchstspannungsknotens liegen müssen.

Die Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten regelt den Vergütungsrahmen und die Rahmenbedingungen für die Vorhaltung und den Einsatz von flexiblen Lasten. Unternehmen, die abschaltbare Lasten im Rahmen der Abschaltverordnung vermarkten, erhalten Erlöse von 2.500 Euro pro MW und Monat für die Bereitstellung der Leistung und eine variable Vergütung bei Einsatz der Stromlast von mindestens 100 Euro/MWh bis höchstens 400 Euro/MWh.

Die flexiblen Stromlasten können dabei parallel weiterhin am Regelleistungsmarkt bzw. am Großhandelsmarkt für Strom angeboten werden, um dort bei höheren Erlösmöglichkeiten gegenüber dem Einsatz als abschaltbare Lasten eingesetzt zu werden.