Studie zu grenzüberschreitendem Handel mit flexiblen Lasten veröffentlicht

16. Mai 2017

Frankreich und Schweiz bieten bessere Voraussetzungen für Vermarktung von flexiblen Stromlasten als Deutschland. dena-Studie zu Marktbedingungen für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten zeigt Nachholbedarf.

In Frankreich und der Schweiz herrschen gegenwärtig noch bessere Marktbedingungen für die Vermarktung von  flexibler Stromnachfrage als in Deutschland. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (dena) zu den Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich.

Aufgrund des zunehmenden Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wird künftig mehr Flexibilität  im Stromsystem benötigt, um das Netz zu stabilisieren und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Eine Option, Flexibilität bereitzustellen, ist eine gezielte Steuerung der Stromnachfrage, das sogenannte Demand Side Management (DSM).

„Klare politische Signale sind wichtig, um die Vermarktung flexibler Lasten voranzubringen. Einheitliche und einfache Marktteilnahmebedingungen sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung, “ sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Mit ihren Flexibilitätspotenzialen können Industrieunternehmen maßgeblich zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Ein flexibel steuerbarer Stromverbrauch ist gleichzeitig auch eine wichtige Grundlage für einen funktionierenden europäischen Strombinnenmarkt, wie er von EU-Energieunion angestrebt wird.“

Einstiegsmarkt Regelleistungserbringung: Integration noch am Anfang

Die Regelleistungsmärkte sind ein wichtiger Einstiegsmarkt für flexible Lasten. Sie sorgen dafür, dass unvorhergesehener Schwankungen im Stromnetz schnell und kosteneffizient ausgeglichen werden können. Die Regelleistungsprodukte unterscheiden sich dabei vor allem in der Vorlaufzeit, mit der sie abgerufen werden können.  Allerdings sind die Anforderungen an potenzielle Marktteilnehmer verhältnismäßig hoch. Die Prozesse zur Abstimmung zwischen den Unternehmen als Flexibilitätsanbietern, Stromlieferanten, Flexibilitätsvermarktern und Netzbetreibern sind  vor allem in Deutschland und Österreich noch nicht transparent und standardisiert. Dies ist für  Unternehmen aber wichtig, da es die Planungssicherheit erhöht. Dies betrifft z. B. die Frage, wie ein Eingriff in Bilanzkreise, also in virtuelle Konten für Strommengen, durch Dritte im Rahmen der DSM-Vermarktung erfolgt.  In Frankreich und der Schweiz ist man hier schon weiter.  

Die notwendigen Dienstleistungsangebote zur Erschließung und Vermarktung von flexiblen Lasten können sich in Europa umso effizienter entwickeln, je einheitlicher die Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern sind und je besser die Marktfelder zusammengeführt werden.

Um die europäischen Regelleistungsmärkte weiter zu harmonisieren, hat der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E einen Regelungsvorschlag entwickelt. Aktuell sind die Bestimmungen der Regelleistungsmärkte in den untersuchten Ländern aber noch sehr unterschiedlich, so ein Fazit der dena-Studie.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind die Hauptabnehmer von Regelleistung. Sie erproben grenzüberschreitende Kooperationen derzeit vor allem bei der Primärregelleistung, die mit einer Vorlaufzeit von 30 Sekunden zur Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt werden kann. Hier gibt es eine gemeinsame Ausschreibung der Übertragungsnetzbetreiber von Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz. Für die Anbieter flexibler Lasten ist aufgrund der technischen Machbarkeit jedoch vor allem die Sekundärregelleistung interessant, die mit einem Vorlauf von fünf Minuten abgerufen werden kann. Aktuell gibt es erst ein deutsch-österreichisches Pilotprojekt, in dem eine gemeinsame Abrufreihenfolge für Sekundärregelleistung erprobt wird. Dabei kommen die Anbieter beider Länder bei einem Abruf von Sekundärregelleistung gestaffelt nach ihren Angebotspreisen zum Zug.

Das Pilotprojekt

Von Juli 2014 bis Dezember 2016 hat die Deutsche Energie Agentur (dena) mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden Württemberg das Pilotprojekt DSM Baden-Württemberg umgesetzt. Ziel war es, den Einsatz von DSM in der Praxis zu erproben und Unternehmen dabei zu unterstützen, vorhandene Potenziale für flexible Lasten zu erkennen und diese wirtschaftlich zu vermarkten. Gleichzeitig sollte anhand der Praxiserfahrung ermittelt werden, wie die Ausgestaltung eines Marktes für Demand Side Management in Deutschland unterstützt werden kann.

Die Studie “Möglichkeiten für grenzüberschreitenden Handel mit flexiblen Lasten in Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich“ wurde im Rahmen der Begleitforschung zum Pilotprojekt Demand Side Management Baden-Württemberg vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag der dena durchgeführt.

Die Studie steht hier zum Download bereit.